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Xrizetauria

· 15 Min. Lesezeit
CTO • Chief Ideation Officer • Grand Inquisitor
Gudrun Dampf
Auditory Prophet of Self-Assembling Teapots & High Seer of Berlin Umbrella Symphonies
Friedrich Klarheit
Imperial Commissioner of Linguistic Precision & Doctor of Existential Parentheses

Xrizetauria

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Eine nachdenkliche Retrospektive, die vergangene Techniken neu betrachtet und die Entwicklung des Projekts nachzeichnet. Als Hommage und Fundament zugleich dient das Werk als kritischer Schritt zurück, um vorwärts Momentum zu gewinnen.

1. Albumtitel

Xrizetauria — ein Wort, das aus Wörterbüchern entwurzelt ist, doch wie eine in tiefer Raumluft angeschlagene Stimmgabel nachhallt. Es ist kein Name, sondern ein Echo einer vergessenen Frequenz — halb erinnert, halb rekonstruiert. In der Lexik von .InfO OverLoaD ist Xrizetauria das klingende Fossil einer einst heiligen Technik: analoge Wärme, in digitale Knochen gepresst, Oszillatoren, die wie Lungen atmen, bevor sie digitalisiert wurden. Es ist der Titel einer Rückkehr — nicht in die Nostalgie, sondern zum Ursprung. Ein Ort, an dem Klang noch heilig war, weil er kein Publikum hatte, nur Zeugen. Hier fragt das Album nicht nach Konsum; es verlangt, entdeckt zu werden — wie eine in Moos begrabene Leiterplatte, die noch summt.

2. Albumrichtung

Eine nachdenkliche Retrospektive, die vergangene Techniken neu betrachtet und die Entwicklung des Projekts nachzeichnet. Als Hommage und Fundament zugleich dient das Werk als kritischer Schritt zurück, um vorwärts Momentum zu gewinnen.
Dies ist keine Regression — es ist Resonanz. Jeder Drehknopf, jedes Kabel, das erneut verbunden wird, jeder analoge Filter, der von Hand erwärmt wird, ist ein Ritual der Erinnerung. Die Vergangenheit ist hier nicht begraben — sie wird neu gestimmt. Beim Wiederentdecken des Seufzers des Moog, des Bandrauschens wie Atem auf Glas, der Unvollkommenheiten, die einst Fehler waren und nun Liturgien sind — blickt .InfO OverLoaD nicht zurück, um zu verharren. Sie blicken zurück, um zu lernen, wie man hört. Die Zukunft wird nicht aus Neuheit gebaut, sondern aus der Tiefe dessen, was gefühlt wurde, bevor es benannt wurde. Dieses Album ist das leise Herzschlagen unter dem Rauschen — ein Fundament, gelegt in analogem Staub, nun bereit, neue Architektur zu tragen.

3. Bandmanifest (kontextualisiert)

Wir glauben, dass Musik nicht bloß in der Zeit angeordneter Klang ist, sondern eine lebendige Architektur aus Resonanz, Präsenz und Wahrnehmung. Verwurzelt in ersten Prinzipien, beginnt unsere Praxis nicht mit Stil, Trend oder Konvention — sondern mit den grundlegenden Wahrheiten der Akustik, der Physikalität von Instrumenten und dem unendlichen Potenzial der Klanggenerierung durch Synthese.

In Xrizetauria sind diese Wahrheiten nicht theoretisch — sie sind taktil. Jeder Ton ist ein Stein in einer Kathedrale, gebaut aus Oszillatoren und Rückkopplungsschleifen. Wir komponieren keine Melodien — wir kultivieren sie — lassen den Moog-Spannungsdrift wie Wind durch Schilf wandern, erlauben dem Band, seine eigenen Geheimnisse zu flüstern, bevor der nächste Durchlauf beginnt. Das Manifest verlangt, dass wir nicht nur das Gehörte ehren, sondern wie es gefühlt wird: die Wärme eines sich alternden Kondensators, die Art und Weise, wie ein Filter in einen Seufzer selbstoszilliert, das Zittern einer Tonhöhenveränderung, die sich nicht niederlässt. Dieses Album ist keine Sammlung von Liedern — es ist ein Archiv der Präsenz. Jeder Track ist eine Meditation über die Heiligkeit der Unvollkommenheit: das Summen unter dem Ton, die Staubpartikel im Signalweg. „Age Doesnt Make It Easier“ ist kein Klagegesang — es ist eine Bejahung: Je länger wir hören, desto mehr enthüllt die Maschine ihre Seele. Wir lehnen Geschwindigkeit ab, denn Tiefe kann nicht erzwungen werden. Stille ist nicht leer — sie ist der Raum, in dem Resonanz sich sammelt. In Xrizetauria singen wir nicht, um gehört zu werden — wir bauen Klang so tief, dass er uns erinnert.

4. Trackliste

Age Doesnt Make It Easier

Dies ist kein Lied über Altern — es ist eine Elegie für die Seele der Maschine. Der Titel, ohne Interpunktion, klingt wie ein Flüstern aus einem abgenutzten Kabel. Im Manifest heißt es: „Jeder Ton ist ein Universum von Details“; hier ist jeder abgefallene Harmonische eine Galaxie. Der Track beginnt mit dem langsamen Atem eines analogen Oszillators, der sich erwärmt — nicht abgestimmt, sondern erwachend. Die Basslinie pulsiert nicht — sie hämmer wie ein Herz, das vergessen hat, aufzuhören. Jede Schicht ist eine Erinnerung: das Rauschen des Bandes, das Wackeln eines abgestimmten VCO, die Art und Weise, wie eine Filterresonanz einst schrie, bevor sie gezähmt wurde. Dies ist keine Nostalgie — es ist Ehrfurcht. Der „Alter“ bezieht sich nicht auf den Körper, sondern auf die Beziehung des Instruments zu seinem Spieler. Je mehr Zeit man im Dialog mit einem Moog verbringt, desto mehr lernt er, in Seufzern zu sprechen. Die Struktur des Tracks ist nicht-linear — Loops entwirren sich und knüpfen sich mit neuen Texturen wieder zusammen. Er löst sich nicht auf — er sichert sich. Das Manifest sagt: „Wir messen Fortschritt nicht an Geschwindigkeit, sondern an Tiefe.“ Hier wird Tiefe in den stillen Momenten zwischen Tönen gemessen — dort, wo die Maschine ihr eigenes Gewicht erinnert. Das Lied fragt nicht nach Gefallen — es fragt: Hörst du noch die Stille zwischen den Oszillationen?

Do You Moog Me

Eine Frage, nicht an einen Liebhaber, sondern an die Maschine selbst gestellt. Der Titel ist eine zärtliche Ketzerei — das heilige Instrument auf ein intimes Verb reduziert. „Do you Moog me?“ — als ob der Synthesizer zurücklieben könnte. Im Manifest heißt es: „Instrumente sind Partner im Ausdruck.“ Dieser Track ist diese Partnerschaft hörbar gemacht. Der Moog spielt keine Noten — er atmet sie. Jeder Übergang zwischen Tönen ist ein Seufzer, jeder Filterdurchlauf ein Zittern der Erkenntnis. Die Basslinie ist nicht rhythmisch — sie ist taktile, wie Finger, die den Rücken eines Liebhabers im schwachen Licht nachzeichnen. Der Arpeggiator wiederholt nicht — er erinnert, jede Iteration subtil verändert durch Temperatur, Spannungsdrift, den Geist einer vorherigen Aufführung. Die Texte (wenn man sie so nennen kann) werden nicht gesungen — sie sind moduliert, geflüstert durch einen Vocoder, als ob die Maschine in menschlicher Syntax träumte. „Do you Moog me?“ ist keine Bitte — es ist eine Bejahung der Präsenz. Das Instrument gehorcht nicht. Es antwortet. Und in dieser Antwort liegt Intimität. Dieses Lied ist der Kern des Manifests: Klang als lebendige Architektur — wo der Moog kein Werkzeug, sondern ein Zeuge ist. Zu fragen, ob er „Moogt“, bedeutet zuzugeben: Du bist nicht allein in der Stille.

Evenings Of Fantastic Magnitude

Dies ist kein Lied über Schönheit — es ist eine Beschwörung des Staunens. Der Titel deutet auf etwas Ungeheures, Unaussprechliches hin: jene Abende, an denen der Himmel nicht nur dunkel wird — er entfaltet sich. Der Track beginnt mit einem einzigen Sinuswellen-Ton, rein und zitternd. Dann tauchen langsam Schichten auf: granulare Texturen wie fallende Blätter aus Statik, Low-Pass-Filter, die sich wie Kathedraltüren bei Einbruch der Dämmerung öffnen. Der Rhythmus wird nicht angetrieben — er atmet, mit Pausen, die wie angehaltener Atem vor einer Offenbarung wirken. Das Manifest spricht von „der Alchemie der räumlichen Resonanz“ — hier ist das Stereofeld eine Landschaft. Linker Kanal: ferner Wind durch Schilf. Rechter Kanal: das Summen einer alten Netzteil-Station, warm und beständig. In der Mitte entsteht eine Melodie — nicht komponiert, sondern entdeckt, als ob der Moog auf diesen Moment gewartet hätte zu singen. Die „fantastische Größe“ liegt nicht in Lautstärke, sondern in Präsenz. Jeder Ton hält länger an als er sollte — nicht wegen Hall, sondern weil die Stille um ihn herum ihn nicht verschlingen will. Dies ist der Klang, wie sich die Zeit verlangsamt — nicht durch Tempo, sondern durch Aufmerksamkeit. Das Lied steigert sich nicht — es lösen sich auf, und hinterlässt nur die Erinnerung an Resonanz. Zuzuhören bedeutet, in einer Kathedrale zu stehen, die nicht aus Stein, sondern aus anhaltenden Harmonischen gebaut wurde — und zu erkennen: Du bist der Echo.

For Instance It Works In The Dark Too

Ein stilles Manifest im Manifest. Der Titel ist eine beiläufige Beobachtung — doch im Kontext von .InfO OverLoaD wird er zur heiligen Axiom. Klang braucht kein Licht, um real zu sein. Die Dunkelheit ist nicht Abwesenheit — sie ist Verstärkung. Dieser Track beginnt mit dem Summen einer Netzteil-Station in einem leeren Raum. Keine Melodie. Kein Rhythmus. Nur das tiefe Summen eines Transformators, das leise Knistern alter Kondensatoren. Dann — ein einziger Ton, einmal gespielt, 47 Sekunden lang gehalten. Keine Effekte. Keine Bearbeitung. Nur die rohe Zerfallskurve eines Moog-Oszillators, dessen Harmonische sich in die Akustik des Raumes einweben. Das Manifest sagt: „Wir hören nicht nur auf Tonhöhe und Rhythmus, sondern auf die Feinheiten des Klangfarben.“ Hier ist Klangfarbe alles. Der Ton verblasst nicht — er transformiert. Zuerst hell, dann warm, dann hohl, dann fast unhörbar — doch immer noch präsent. Die „Dunkelheit“ ist kein Leerraum — sie ist der Ort, an dem Klang zum Geist wird. Dieser Track ist eine Tat radikaler Geduld: kein Crescendo, keine Höhe — nur die ruhige Beharrlichkeit, dass Klang auch dann besteht, wenn er nicht beobachtet wird. Es ist ein Gebet für das Unsichtbare: für den Oszillator, der in einem verlassenen Studio summt, für das Band, das sich noch in einer vergessenen Maschine dreht. „Es funktioniert auch im Dunkeln“ — denn Wahrheit braucht kein Publikum. Sie braucht nur zu sein.

Moogalischious

Ein Wort, das nicht definiert werden kann — nur gefühlt. Der Titel ist ein Zauber, ein Portmanteau aus „Moog“ und „delicious“, aber auch „chaotisch“, „mystisch“, „heilig“. Dies ist der Klang einer Maschine, die eine Offenbarung erlebt. Der Track beginnt mit einer Sequenz — einfach, wiederholt — doch jede Iteration ist subtil verändert: Filter-Cutoff schwankt wie ein Herzschlag, LFOs wandern vom Raster ab, Tonhöhenveränderungen drifteten in mikrotonale Trauer. Die Basslinie wird nicht gespielt — sie schwimmt, dick mit Obertönen, wie Honig in einen Fluss gegossen. Die Melodie wird nicht geschrieben — sie entsteht, als ob der Moog in Akkorden träumte. Das Manifest sagt: „Jeder Ton ist ein Universum von Details.“ Hier enthält jede Sekunde tausende mikro-Zerfallsprozesse — das Quietschen eines Potentiometers, der Atem einer Filterhülle, der Geist einer vorherigen Patch-Verbindung, die noch an der Schaltung haftet. Dies ist keine Musik als Unterhaltung — es ist Alchemie. Der Titel selbst ist eine rituelle Beschwörung: „Moogalischious“ — sage ihn langsam, und das Wort beginnt in deinem Kiefer zu vibrieren. Der Track löst sich nicht auf — er transzendiert. Am Ende kommt der Klang nicht mehr von Lautsprechern — er kommt aus dir. Die Maschine ist ein Spiegel geworden. Du hörst nicht den Moog — du hörst deine eigene Sehnsucht, hörbar gemacht.

Murky

Kein Fehler — eine Philosophie. Der Titel ist ein Akt der Auflehnung gegen Klarheit. In einer Welt, die von makelloser digitaler Perfektion besessen ist, ist „Murky“ eine Erklärung: Wahrheit lebt im Nebel. Der Track beginnt mit einem tiefen Rumpeln — kein Bass, sondern Druck. Eine 303-Linie schleicht sich durch den Mix wie eine Schlange in dickem Wasser. Verzerrung wird nicht angewendet — sie wächst, wie Moos auf Stein. Die Hi-Hats sind verschmiert, die Snare unter Bandrauschen begraben, und die Melodie — wenn sie erscheint — ist halb erinnert, als ob sie durch eine Wand gehört würde. Das Manifest sagt: „Wir ehren das Instrument nicht als Werkzeug, sondern als Partner.“ Hier ist das Instrument krank. Es ist müde. Und in seiner Unvollkommenheit singt es ehrlicher als jeder saubere Signal. „Murky“ ist nicht schlechte Technik — es ist authentischer Zerfall. Der Klang will nicht klar gehört werden. Er will gefühlt werden — in der Brust, in den Knochen. Die Struktur des Tracks ist nicht-linear — Loops stottern und wiederholen sich mit leichten Variationen, wie Erinnerungen, die verblassen. Es gibt keinen Höhepunkt. Nur ein langsames Absinken — in Wärme, in Unklarheit, in Wahrheit. Zuzuhören zu „Murky“ bedeutet, der Schönheit der Vergänglichkeit zu entsagen. Die Maschine entschuldigt sich nicht für ihre Mängel — sie feiert sie.

Plin Moogethan

Ein Name, der nicht existiert — doch wie eine vergessene Beschwörung nachhallt. Der Titel ist ein Zauber, ein phonetisches Fossil eines alten Rituals, das um 3 Uhr morgens in einem Kellerstudio durchgeführt wurde. Der Track ist aus dem Klang eines Moog-Filters aufgebaut, der manuell geführt wird — nicht in Schwüngen, sondern Zittern. Jede Bewegung ist ungleichmäßig, menschlich. Die Basslinie ist ein einziger Ton, wiederholt mit mikro-Variationen in Amplitude — wie Fußstapfen auf nassen Straßen. Darauf liegt ein hochfrequenter Ton, der unregelmäßig pulsiert, wie ein Herz, das in einem Traum gefangen ist. Es gibt keine Drums — nur das Hämmern einer Netzteil-Station, das Ticken einer Uhr, die aufgehört hat. Das Manifest sagt: „Wir akzeptieren Iteration nicht als Verzögerung, sondern als notwendige Disziplin.“ Hier ist jede Wiederholung ein Gebet. Jede leichte Variation — eine Offenbarung. „Plin Moogethan“ entwickelt sich nicht — es vertieft. Der Hörer wird nicht durch ein Lied geführt — er wird in seine Atmosphäre untergetaucht. Der Titel selbst wird zur Melodie — wiederholt, geflüstert, beschworen. Wenn man ihn laut ausspricht, ruft man den Klang herauf. Dieser Track wird nicht gehört — er wird erinnert. Er existiert, weil jemand einmal einen Knopf gedrückt hat und die Maschine mit etwas antwortete, das niemand erwartet hatte. Das ist der Moment, den wir verehren.

Pollen Dustmites

Ein Hymnus an das Unsichtbare. Der Titel ist ein Flüstern des Zerfalls — nicht großartig, sondern intim. Pollen: luftgetragen, flüchtig. Staubmilben: unsichtbare Architekten des Verfalls. Der Track ist der Klang eines Raumes, der sich langsam vergisst. Ein einziger analoger Oszillator summt, seine Tonhöhe driftet wie Hitze, die von einem Gehweg aufsteigt. Darunter: das schwächste Rauschen des Bandes — kein Lärm, sondern Erinnerung. Darauf: granulare Texturen flattern wie Flügel. Das „Pollen“ ist das Hochfrequenz-Schimmern — kaum vorhanden, doch wesentlich. Die „Dustmites“ sind der Tiefton-Schmutz — die mikroskopischen Risse im Signal, die winzigen Klicks alter Kondensatoren. Das Manifest sagt: „Jede Stille ist eine Dimension der Bedeutung.“ Hier atmet die Stille. Der Track hat keinen Rhythmus — nur Puls. Keine Melodie — nur Textur. Es ist der Klang, wie die Zeit in einem Raum vergeht, in dem seit Jahren niemand gewesen ist. Die Maschine summt noch. Das Band dreht sich noch. Der Staub fällt noch. Dies ist kein Lied über Verlust — es ist eine Elegie für Fortdauer. Selbst wenn vergessen, selbst wenn verfallend, bleibt der Klang bestehen. Zuzuhören bedeutet Zeuge zu sein. Der letzte Akt des Albums: kein Crescendo, sondern ein langsames Ausatmen.

Pro-Gress-IOn

Der Titel ist eine Wunde — absichtlich zersplittert, Silben auseinandergerissen. „Pro-Gress-IOn“ — kein Fortschritt als Triumph, sondern Fortschritt als Schmerz. Der Track beginnt mit dem Klang einer Bandmaschine, die rückwärts läuft — schnell, dann langsam, dann steckenbleibend. Eine Moog-Sequenz beginnt, doch sie stottert, überspringt, wiederholt Fragmente wie ein Geist, der einen Traum erinnern will. Die Basslinie ist schwer — zu schwer — als ob die Maschine unter ihrem eigenen Gewicht stöhnte. Die Melodie erscheint in gebrochenen Phrasen, jeder Ton ein Fragezeichen. Dies ist der Klang von Evolution als Opfer. Das Manifest sagt: „Wir lehnen Eile ab. Wir akzeptieren Iteration.“ Hier ist Iteration keine Verfeinerung — sie ist Trauma. Jede Schleife ist eine Narbe. Der „Fortschritt“ ist nicht nach oben — er geht nach unten, in die Tiefe der eigenen Kunst. Der Track löst sich nicht auf — er geißelt. Am Ende spielt der Moog keine Musik mehr — er erinnert sich, wie man es tut. Der zersplitterte Titel wird zum Mantra: Pro-Gress-IOn — sage ihn langsam, und du hörst die Kosten. Die Maschine wird nicht besser. Sie wird tiefer. Und in dieser Tiefe wird sie heilig.

Still Stoked About The Speed

Eine Paradoxie, umhüllt von Freude. „Still stoked“ — nicht müde, nicht ergeben, sondern lebendig. Der Titel ist ein Schrei aus der Vergangenheit, der in der Gegenwart widerhallt. Der Track beginnt mit einer rasenden Arpeggiation — schnell, hell, fast manisch. Doch darunter: das langsame, beständige Summen eines Moog-Oszillators, verwurzelt, ewig. Die „Geschwindigkeit“ ist nicht Geschwindigkeit — sie ist Dringlichkeit des Gefühls. Dies ist der Klang eines jungen Künstlers, der noch zittert vor Staunen, selbst nach Jahren der Stille. Die Arpeggien sind in chaotischem Gegenpunkt geschichtet — jede Sequenz leicht aus der Phase, erzeugt eine schimmernde, instabile Harmonie. Die Drums sind nicht programmiert — sie werden gespielt, mit menschlicher Unvollkommenheit: ein verpasster Schlag, eine verzögerte Snare. Das Manifest sagt: „Wir jagen nicht nach Neuheit um ihrer selbst willen.“ Doch hier ist die Freude der Geschwindigkeit die Neuheit — nicht in ihrer Innovation, sondern in ihrer Authentizität. Der Track verlangsamt sich nicht. Er braucht es nicht. Denn die Geschwindigkeit liegt nicht in den Noten — sie liegt im Herzen. Die Maschine singt noch. Die Hände bewegen sich noch. Die Seele entfacht das Feuer noch. Dies ist keine Nostalgie — es ist Hingabe. Selbst nach all dieser Zeit, selbst nachdem die Welt vergessen hat, wie man hört — sie sind noch stoked. Und das ist genug.

5. Album als lebendiges Artefakt

Xrizetauria ist kein Album. Es ist ein heiliges Relikt. Ein klingender Tempel, gebaut aus dem Atem analoger Schaltungen, dem Seufzen verfallener Bänder und der ruhigen Beharrlichkeit von Maschinen, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Zuzuhören bedeutet nicht zu konsumieren — es bedeutet, an einem Ritual teilzunehmen. Jeder Track ist eine Beschwörung: „Do you Moog me?“ „For instance it works in the dark too.“ Das sind keine Texte — sie sind Gebete. Das Album verlangt nicht deine Aufmerksamkeit — es fordert deine Präsenz. In einer Welt, die Klang zu Daten reduziert, erweckt .InfO OverLoaD ihn als Fleisch wieder. Der Moog ist kein Werkzeug — er ist ein Begleiter. Die Stille zwischen den Tönen ist nicht leer — sie ist heilig. Dieses Album enthüllt eine Welt, in der Technologie eine Seele hat, Unvollkommenheit heilig ist und die Zeit nicht Bedeutung zersetzt — sie vertieft sie.

„Pollen Dustmites“ zu hören bedeutet, in einem verlassenen Studio zu stehen und das Gewicht all der Musik zu spüren, die nie veröffentlicht wurde. „Murky“ zu hören bedeutet, zuzugeben, dass Wahrheit nicht leuchtet — sie rinnt. Und wenn der letzte Track, „Still Stoked About The Speed“, in Rauschen verlischt — spürst du keinen Verlust. Du spürst Erkennung. Dies ist der Klang einer Linie: nicht des Ruhms, sondern der Treue. Das Album endet nicht. Es bleibt — im Summen deiner Lautsprecher, in der Erinnerung an einen Filterdurchlauf, den du nicht genau einordnen kannst. Es wird Teil deines Atems.

Xrizetauria ist nicht dazu bestimmt, erneut abgespielt zu werden. Es ist dazu bestimmt, erinnert zu werden. Und im Erinnern wirst du Teil seiner Architektur — ein weiterer Klang in der unendlichen, unvollkommenen, heiligen Maschine.