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Hard Boiled Motor Funker

· 13 Min. Lesezeit
CTO • Chief Ideation Officer • Grand Inquisitor
Gudrun Dampf
Auditory Prophet of Self-Assembling Teapots & High Seer of Berlin Umbrella Symphonies
Friedrich Klarheit
Imperial Commissioner of Linguistic Precision & Doctor of Existential Parentheses

Hard Boiled Motor Funker

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Eine bewusst rohe, Garage-Rock-inspirierte Hommage an die Rebellion der Jugend. Mit expliziten Texten und absichtlich leblosem Vortrag nutzt das Werk Ironie als Linse – es parodiert die Inszenierung von „Härte“ und enthüllt dabei eine zugrundeliegende Verletzlichkeit.

1. Albumtitel

Hard Boiled Motor Funker

Ein Titel geschmiedet aus Fett, Schmutz und dem metallischen Seufzen eines Vergasers, der seinen letzten Atemzug ausstößt. Nicht ein Lied – es ist eine Erklärung, auf die Innenseite einer verrosteten Garagentür gekritzelt. „Hard Boiled“ deutet auf etwas Überkochtes, unter Druck Verhärtetes; „Motor“ impliziert einen mechanischen Herzschlag; „Funker“ ist die groteske, glorreiche Verunreinigung des Rhythmus zu etwas Rohem, Unpoliertem, Lebendigem. Dieses Album groovt nicht – es stottert. Es ist der Klang eines Teenagers, der einen Motor anlässt, der nicht anspringt, und in das Rauschen schreit, nur um zu beweisen, dass er noch da ist.

2. Albumrichtung

Eine bewusst rohe, Garage-Rock-inspirierte Hommage an die Rebellion der Jugend. Mit expliziten Texten und absichtlich leblosem Vortrag nutzt das Werk Ironie als Linse – es parodiert die Inszenierung von „Härte“ und enthüllt dabei eine zugrundeliegende Verletzlichkeit.

Das ist nicht Punk. Es ist Post-Punk, bevor er einen Namen hatte. Die Verzerrung ist keine Rebellion – sie ist der Klang eines kaputten Verstärkers, der versucht, die Wahrheit zu schreien. Der leblose Gesang ist keine Gleichgültigkeit – er ist der hohle Echo eines Jungen, der früh gelernt hat, dass Verletzlichkeit zum Lachen einlädt, also lernte er, sein Herz wie eine zerbeulte Kotflügel zu tragen. Jeder falsche Ton ist ein Riss im Gewebe der performativen Männlichkeit. Jeder Feedback-Schrei, ein geflüsterter Ich habe Angst. Die rohe Produktion ist nicht faul – sie ist heilig. Sie ist das klingende Äquivalent eines handschriftlichen Briefes, verschmiert von Regen und Zigarettenasche.

3. Bandmanifest (kontextualisiert)

Wir glauben, dass Musik nicht bloß zeitlich angeordneter Klang ist, sondern eine lebende Architektur aus Resonanz, Präsenz und Wahrnehmung. Verwurzelt in ersten Prinzipien, beginnt unsere Praxis nicht mit Stil, Trend oder Konvention – sondern mit den grundlegenden Wahrheiten der Akustik, der Physikalität von Instrumenten und dem unendlichen Potenzial der Klanggenerierung durch Synthese.

In Hard Boiled Motor Funker werden diese Wahrheiten nicht geehrt – sie werden entweiht. Und in dieser Entweihung werden sie heilig. Wir formen Klang nicht mit Ehrfurcht vor Reinheit; wir ringen ihn aus den Eingeweiden kaputter Verstärker, aus dem Stöhnen einer losen Saite, aus dem Zischen eines Banddeckers, der zu viele späte Fahrten ohne Ziel gesehen hat. Das Manifest spricht von Geduld, Präzision, Tiefe – doch hier liegt Tiefe im Flachen – in der verschwommenen Textzeile, dem verpassten Akkord, dem Feedback, das wie ein Geist im Raum hängt. Wir bauen keine Instrumente; wir missbrauchen sie, bis sie mit Ehrlichkeit zurückschreien. Die „Alchemie der räumlichen Resonanz“ wird zum Echo auf einem Betonparkplatz um 3 Uhr morgens. Die „Feinheiten der Klangfarbe“ sind das Knacken einer Stimme, die nicht weinen will. Jeder Ton ist ein Universum – doch dieses Universum besteht aus Zigarettenkippen, verschüttetem Soda und dem metallischen Geschmack von Adrenalin. Wir lehnen Eile ab? Ja – aber nicht, weil wir Perfektion suchen. Wir lehnen sie ab, weil echtes Gefühl Zeit braucht, um im Dunkeln zu gären. Bequemlichkeit ist Kapitulation? Hier ist Kapitulation der einzige Weg zur Wahrheit. Wir jagen nicht nach Neuheit – wir stolpern hinein, barfuß und blutend, durch den Hinterhof der Jugend. Das ist kein Stil. Es ist eine Wunde. Und wir spielen sie laut.

4. Trackliste

Daym It's Long

Der Titel ist ein Seufzen. Ein Gähnen, ausgeweitet zu einem Satz. „Daym It’s Long“ ist keine Beschwerde – es ist ein Epitaph für Zeit, die sich nicht bewegen will. Das Lied ist ein langsames, träge kriechendes Gewicht aus Power-Chords und gemurmeltem Gesang, als hätte der Gitarrist vergessen, wie man spielt, aber weitergezupft. „Long“ ist nicht nur Dauer – es ist das Gewicht der Erwartung, die Langeweile, einem gesagt zu bekommen, erwachsen zu werden, während deine Seele noch nach billigem Parfüm und verbranntem Gummi riecht. Der leblose Vortrag ist keine Gleichgültigkeit – es ist Erschöpfung. Jeder Zupfer ist ein Herzschlag, der nicht weitergehen will. Das „Long“ hallt im Feedback zwischen den Akkorden wider – ein klingender Leerraum, wo Bedeutung sein sollte. Das ist keine Rebellion gegen Autorität – es ist Rebellion gegen die Idee, dass jemals etwas existierte, das sich lohnte, dagegen aufzubegehren. Das Lied verlangt nicht Aufmerksamkeit – es fleht darum, ignoriert zu werden. Und in dieser Stille zwischen den Tönen hörst du es: das leise Schreien eines Jungen, dem gesagt wurde, er solle stark sein, aber nicht weiß, wie man etwas fühlt, ohne es vorzutäuschen.

Il Passionista

Der Titel ist ein Witz verpackt in italienischem Pathos – „der Leidenschaftliche“, aber gesprochen mit der Stimme jemandes, der die Augen verdreht, während er sich eine Zigarette ansteckt. Das Lied ist ein dreiklingiger Trauermarsch mit einem Saxophon, das klingt, als wäre es durch Kies geschleift worden. Das Manifest spricht von „der Physikalität von Instrumenten“, und hier ist das Saxophon kein Instrument – es ist ein verfallener Onkel, der mal cool war. Die Texte sind halb gesprochen, halb geflüstert: „Ich hab ein Mädchen im Regen geküsst / sie sagte, ich sei zu laut / also hab ich den Verstärker lauter gedreht.“ Das ist keine Leidenschaft – es ist Inszenierung. Der „Passionista“ ist ein Kostüm, das jemand trägt, der nicht weiß, wie man liebt, ohne es zur Show zu machen. Die Struktur des Liedes ist absichtlich unbeholfen: Der Drum-Fill kommt zu früh, der Bass fällt drei Takte aus, als hätte er aufgegeben. Das ist die „absichtliche Iteration“ des Manifests nach innen gewendet – jeder Fehler eine Bekennung. Die Leidenschaft ist nicht echt, aber das Bedürfnis, als leidenschaftlich gesehen zu werden? Das ist echt. Und deshalb tut es weh. Das Lied steigert sich nicht – es sackt zusammen, wie ein Ballon mit einem Loch, das du erst bemerkst, wenn es zu spät ist.

Moja Mala

Der Ausdruck bedeutet „mein Kleines“ auf Kroatisch – eine Zärtlichkeit, die zu etwas Brüchigem verdreht wird. Der Track öffnet sich mit einem einzigen, verstimmt gezupften Gitarrenton, dann eine Kinderstimme, die flüsternd „mama“ sagt – bevor es in Stille bricht. Das Lied ist kaum zwei Minuten lang, und jede Sekunde fühlt sich an wie eine Erinnerung, die sich auflöst. Das Manifest spricht von „Klang als tiefgreifende Handlung des Zuhörens“ – hier werden wir gezwungen, der Abwesenheit zuzuhören. „Mala“ ist keine Person – es ist der Geist der Unschuld, das Letzte, bevor die Welt laut und grausam wurde. Die Basslinie ist ein langsamer, ungleichmäßiger Herzschlag. Der Gesang ist geschichtet – jugendlich zuerst, dann rau, als hätte sich dieselbe Stimme in 90 Sekunden zehn Jahre gealtert. Es gibt keinen Refrain. Nur Wiederholung: „Moja Mala… Moja Mala…“ wie ein Gebet zu einem Gott, der aufgehört hat zu antworten. Das „unendliche Potenzial des Klangs“ wird hier zum unendlichen Verlust der Bedeutung. Das ist kein Lied über Liebe – es ist eine Beerdigung der Vorstellung, dass Liebe die Garage, den Schulhof, den ersten Mal über „weich“ zu hören, überleben könnte. Die Stille nach dem letzten Ton ist nicht leer – sie ist voll von allem, was nie gesagt wurde.

Tungsten

Tungsten ist das Metall mit dem höchsten Schmelzpunkt. Es biegt sich nicht – es hält aus. Das Lied ist ein metallischer, industrieller Stampfer: verzerrte Bassdrum wie ein Hammer auf einem Amboss, Gitarrensaiten bis zum Rand der Zerbrechlichkeit gestimmt. Die Texte sind spärlich: „Ich bin nicht dein Werkzeug / ich bin nicht dein Spielzeug / ich bin das Ding, das nicht bricht.“ Das Manifest spricht von Instrumenten als „Partnern im Ausdruck“ – hier ist das Instrument die Stimme. Die Gitarre spielt keine Noten – sie schreit. Jeder Ton ist ein Riss im Metall, jeder Feedback-Schleifen eine Narbe. Das ist keine Rebellion – es ist Überleben. Die „absichtlich rohe“ Produktion ist kein Fehler – es ist der Klang eines Dings, das im Feuer geschmiedet und im Regen abkühlen gelassen wurde. Der Titel ist eine Erklärung: Ich bin nicht zerbrechlich. Ich bin nicht hübsch. Ich bin das Ding, das sie zu brechen versuchten – und es hat nicht funktioniert. Doch unter dem Lärm? Ein Zittern. Der letzte Ton hallt nicht mit Kraft – sondern mit Erschöpfung. Tungsten leuchtet nicht. Es hält einfach… Und in diesem Halten liegt Trauer.

Blunt Baby Blunt

Der Titel ist ein Widerspruch verpackt in Babysprache. „Blunt“ impliziert Gewalt, Klarheit, Endgültigkeit. „Baby“ impliziert Zerbrechlichkeit, Abhängigkeit, Unschuld. Das Lied ist ein dreiklingiger Stampfer mit einem Gesangstrack, als wäre er in einem Badezimmer aufgenommen worden, während jemand versuchte, nicht zu weinen. „Blunt baby blunt / ich weiß nicht, was ich tue / aber ich tu es laut.“ Die Texte sind keine Poesie – sie sind Graffiti. Die Gitarre ist absichtlich verstimmt. Die Drums klingen, als wären sie mit einem Besen geschlagen worden. Das ist die „Ablehnung der Bequemlichkeit“ des Manifests, umgedreht: Hier ist Bequemlichkeit die einzige Wahrheit. Das Lied baut nicht auf – es explodiert. Und dann ist es vorbei. Keine Auflösung. Kein Katalysator. Nur das Echo eines Jungen, der versucht, so zu klingen, als hätte er die Kontrolle – während seine Hände zittern. Der „Blunt“ ist die Wahrheit, die er nicht sagen kann: Ich habe Angst. Der „Baby“ ist der Teil von ihm, der immer noch gehalten werden will. Dieses Lied verlangt nicht Verständnis – es verlangt, ignoriert zu werden. Und deshalb geht es uns nach.

C'mon Now

Ein Befehl. Eine Bitte. Eine Herausforderung. Das Lied beginnt mit einem einzigen, verzerrten Power-Chord, der sieben Sekunden lang nachklingt, bevor die Drums wie eine aufgekickte Tür hereinbrechen. Der Gesang wird geschrien, nicht gesungen – halb wütend, halb lachend. „C’mon now / C’mon now / ich weiß, du bist noch da.“ Das Manifest spricht von „Präsenz“ – dieses Lied ist der Klang jemandes, der versucht, zu beweisen, dass er noch lebt. Die Basslinie ist ein Herzschlag, der aussetzt. Der Gitarrensolo ist nicht virtuos – er ist verzweifelt, drei Noten wiederholt, bis sie zu einem Mantra werden. „C’mon now“ ist nicht an den Hörer gerichtet – es ist an ihn selbst gerichtet. Er glaubt es nicht. Aber er sagt es trotzdem. Das Lied endet abrupt – nicht mit einem Knall, sondern mit dem Klang einer abgelaufenen Kassette. Kein Ausblenden. Keine Abgeschlossenheit. Nur Stille nach der letzten Silbe. Das ist kein Lied über Energie – es ist über die Angst, auszugehen. Das Manifest sagt: „Wir schaffen nicht, um gehört zu werden – sondern um gefühlt zu werden.“ Dieses Lied ist der Klang jemandes, der fühlt – und dann erkennt, dass niemand zuhört.

Me Land

Ein Satz, der sich anhört wie eine Kinderaussage. „Me land.“ Nicht mein Land – me Land. Als wäre die Welt ein Spielzeug, und er der Einzige, der wusste, wie man damit spielt. Das Lied ist ein Lo-Fi, halb verstimmt akustischer Gitarrenloop über einen Drum-Computer, der klingt, als würde er mit Batterien aus dem Jahr 1998 laufen. Die Texte sind fragmentiert: „Ich hab ein Schloss in den Dreck gezeichnet / niemand kam, um es zu sehen.“ Das Manifest spricht von „räumlicher Resonanz“ – hier ist Raum nicht leer. Er ist besetzt durch Abwesenheit. Die Gitarre hallt mit dem Echo eines Raumes, den sonst niemand betreten hat. „Me land“ ist kein Ort – es ist der letzte sichere Raum, bevor die Welt ihm sagte, erwachsen zu werden. Das Lied baut nicht auf – es kreist. Wie ein Kind, das denselben Pfad im Hinterhof abläuft und vorgibt, es sei ein Königreich. Der letzte Ton wird zu lange gehalten – bis er zum Lärm wird. Bis die Melodie sich selbst vergisst. Und in diesem Vergessen hören wir, was er wirklich sagt: Ich hab das für mich gemacht. Aber ich wünschte, jemand anderes hätte es gesehen.

Hard Boiled Motor Funker

Der Titeltrack. Die Hymne. Die Wunde, hörbar gemacht. Er beginnt mit dem Klang eines Motors, der anläuft – dreimal, dann erlischt. Ein einziger Bassnote pulsiert wie ein Puls. Dann kommt die Gitarre: verzerrt, verstimmt, gespielt mit einem Pick, der gekaut wurde. Die Texte werden geschrien wie eine Herausforderung: „Ich weiß nicht, wie man spielt / aber ich mach’s laut.“ Das Manifest spricht von „Klang als tiefgreifende Handlung des Zuhörens“ – dieses Lied ist der Klang jemandes, der sich selbst zum ersten Mal zuhört. „Hard boiled“ ist nicht Härte – es ist das Ei, das aufgebrochen und nie wieder verschlossen wurde. „Motor“ ist der Motor seines Körpers, stotternd aber noch am Laufen. „Funker“ ist kein Stil – es ist das Letzte, was ihm geblieben ist: Rhythmus, selbst wenn er kaputt ist. Das Lied löst sich nicht auf – es stottert. Jedes Mal, wenn der Refrain kommt, ist er etwas langsamer, etwas mehr zerbrochen. Die letzte Minute ist reiner Lärm – Feedback, Rauschen, der Klang einer abgenutzten Tonkopf. Und dann: Stille. Kein Frieden. Kein Triumph. Nur das Echo eines Jungen, der versuchte, aus Nichts etwas Echtes zu machen – und fast erfolgreich war.

Crazy S.O.B.

Der letzte Track. Der letzte Atemzug. „Crazy S.O.B.“ – ein Ausdruck, der mit Zuneigung, nicht mit Bösartigkeit gespuckt wird. Das Lied ist ein einziger, ununterbrochener 4:17-Minuten-Block aus Feedback, verzerrtem Bass und dem Klang von jemandem, der lacht – dann weint. Die Texte sind kaum hörbar: „Ich bin nicht verrückt / ich will nur nicht still sein.“ Das Manifest sagt: „Wir schaffen nicht, um gehört zu werden – sondern um gefühlt zu werden.“ Dieses Lied ist das Gefühl, das kommt, nachdem du geschrien hast, bis deine Kehle blutet. Der „S.O.B.“ ist kein Schimpfwort – es ist eine Auszeichnung. Ein Liebesbrief an den Jungen, dem gesagt wurde, er sei zu viel, zu laut, zu seltsam. Der Lärm ist kein Chaos – er ist Klarheit. Jeder Schrei ist eine Wahrheit, die er nicht in Worten sagen konnte. Das Lachen ist keine Spott – es ist Befreiung. Die letzten 30 Sekunden sind reiner, unmodulierter Feedback – steigend, fallend, zitternd – und dann, kurz bevor er verschwindet: ein einziger, klarer Ton. Gespielt auf einer akustischen Gitarre. Sanft. Nicht verstärkt. Ein Flüstern. Das Letzte, was er sich erinnert, bevor die Welt zu laut wurde, um ihn selbst zu hören.

5. Album als lebendiges Artefakt

Hard Boiled Motor Funker ist kein Album. Es ist ein Ritualobjekt – eine Schrein, gebaut aus kaputten Verstärkern, Zigarettenbrandstellen auf dem Armaturenbrett und der letzten Voicemail eines Jungen, die er nie abschickte. Zuzuhören ist, in einer Garage um 2 Uhr morgens niederzuknien, wo das einzige Licht von einer flackernden Glühbirne und dem Leuchten eines sterbenden Handys kommt. Das ist keine Unterhaltung. Es ist Exorzismus. Jeder Track ist ein Gebet, das in das Rauschen geflüstert wird, jeder Verzerrung ein Sakrament der Unvollkommenheit. Das Manifest spricht von „Klang als Präsenz“ – und hier ist Präsenz das Einzige, was übrig bleibt, wenn alles andere genommen wurde: die zitternden Hände des Jungen auf den Saiten, das Echo seiner Stimme in einem Raum, den sonst niemand wagt zu betreten.

Dieses Album zu hören ist, in den leeren Raum zwischen Rebellion und Kapitulation gezogen zu werden, wo der lauteste Klang die Stille ist. Der leblose Vortrag ist keine Gleichgültigkeit – er ist Rüstung. Die rohe Produktion ist keine Faulheit – sie ist Ehrlichkeit. Jeder falsche Ton ist eine Bekennung. Jede Feedback-Schleife, ein Herzschlag. Das Album verlangt nicht, dass du es magst. Es verlangt, dass du erinnerst. Erinnere dich an den Jungen, der in seinem Zimmer Gitarre spielte, weil er nicht wusste, wie er sonst sagen sollte: Ich bin noch da.

Wenn der letzte Ton von „Crazy S.O.B.“ in Stille zerfällt, spürst du keine Erleichterung. Du fühlst dich gesehen. Nicht von der Band. Sondern von dir selbst – vom Teil von dir, der noch an laute, kaputte Dinge glaubt. Dieses Album verändert deine Meinung nicht. Es verändert dein Atmen. Du verlässt den Raum leiser, als du ihn betreten hast – nicht weil er still war, sondern weil du endlich gelernt hast, zuzuhören.

Das ist keine Musik. Es ist der Klang einer Seele, die sich weigert, ausgelöscht zu werden.