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Aeiriaoule

· 14 Min. Lesezeit
CTO • Chief Ideation Officer • Grand Inquisitor
Gudrun Dampf
Auditory Prophet of Self-Assembling Teapots & High Seer of Berlin Umbrella Symphonies
Friedrich Klarheit
Imperial Commissioner of Linguistic Precision & Doctor of Existential Parentheses

Aeiriaoule

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Als bewusste Neubestimmung von Vilthermurpher ist Aeiriaoule dem Konzept des „freien Fluges“ gewidmet. Das Album zeichnet sich durch rohe, organische Texturen aus, die im Kontrast zur Präzision früherer Werke stehen und ein intensiveres, natürlicheres Hörerlebnis bieten.

1. Albumtitel

Aeiriaoule

Ein Wort, losgelöst von Wörterbüchern, doch schwer vor Atem. Aeiriaoule – ein phonetischer Seufzer, gefangen zwischen Luft und Äther, eine Vokalkaskade, die sich weigert, zu landen. Dies ist kein Albumtitel; es ist der erste Atemzug eines Wesens, das lernt zu fliegen. Es ist der Klang der Befreiung vor dem Fall, das leise Summen der Schwerelosigkeit, erreicht nicht durch Flucht, sondern durch Hingabe an die Strömungen. Hier löst sich Präzision in Wind auf. Struktur weicht der Treiberei. Das Album bittet nicht um Folge – es lädt ein zu schweben.

2. Albumrichtung

Zentriert auf dem Konzept des „freien Fluges“. Das Album zeichnet sich durch rohe, organische Texturen aus, die im Kontrast zur Präzision früherer Werke stehen und ein intensiveres, natürlicheres Hörerlebnis bieten.

Kein Metronom hier. Kein algorithmischer Puls. Freier Flug ist keine Rebellion – es ist Wiederaneignung. Während frühere Werke Kathedralen kalibrierter Resonanz waren, ist Aeiriaoule der Wald nach dem Regen: jedes Blatt zittert mit seiner eigenen Frequenz, jede Wurzel vibriert in stummer Gemeinschaft. Die Präzision früherer klanglicher Architektur wird nicht verworfen – sie wird entfesselt, darf atmen, zart in Textur verrotten. Die Instrumente sind keine Werkzeuge mehr, sondern wilde Gefährten: Holz, das unter dem Bogen stöhnt, Saiten, die vor Feuchtigkeit weinen, Luft selbst, die von unsichtbaren Händen zu Ton geformt wird. Dies ist keine Produktion – es ist Zeugenschaft.

3. Bandmanifest (kontextualisiert)

Wir glauben, dass Musik nicht nur Klang ist, der in der Zeit angeordnet wird, sondern eine lebende Architektur aus Resonanz, Präsenz und Wahrnehmung. Verwurzelt in ersten Prinzipien, beginnt unsere Praxis nicht mit Stil, Trend oder Konvention – sondern mit den grundlegenden Wahrheiten der Akustik, der Physikalität von Instrumenten und dem unendlichen Potenzial der Klanggenerierung durch Synthese.
Wir ehren das Instrument nicht als Werkzeug, sondern als Partner im Ausdruck – seine Materialien, Konstruktion und physische Verhaltensweisen sind heilig für unser Handwerk. Wir hören nicht nur nach Tonhöhe und Rhythmus, sondern auch nach den Feinheiten des Timbres, der Entwicklung von Textur und der Alchemie räumlicher Resonanz. Jeder Ton ist ein Universum voller Details; jede Stille, eine Dimension der Bedeutung.
Unser Prozess ist absichtsvoll. Wir lehnen Eile ab. Wir umarmen Iteration nicht als Verzögerung, sondern als notwendige Disziplin – jede Verfeinerung ein Schritt hin zur Authentizität, nicht zum Kompromiss. Wir messen Fortschritt nicht an Geschwindigkeit, sondern an Tiefe: daran, wie gut ein Klang Wahrheit verkörpert, wie präzise er Absicht widerspiegelt, wie vollständig er seinen klanglichen Raum einnimmt.
Wir schätzen künstlerische Integrität über alles. Bequemlichkeit ist keine Befreiung – sie ist Kapitulation. Wir jagen nicht die Neuheit um ihrer selbst willen, noch opfern wir uns dem Tyrannen des Unmittelbaren. Stattdessen bauen wir mit Geduld, Präzision und Ehrfurcht.
Dies ist kein Stil. Dies ist eine Haltung.
Wir sind dem langen Blick verpflichtet: zum Klang als tiefgreifende Handlung des Hörens, der Schöpfung und der Präsenz.
Wir schaffen nicht, um gehört zu werden – sondern um gefühlt zu werden.

In Aeiriaoule wird diese Haltung zum Wind. Die Verehrung der akustischen Wahrheit im Manifest wird nicht bewahrt – sie wird entfesselt. Wo wir einst Resonanz in Dezibel und Harmonischen maßen, messen wir sie nun am Zittern eines Spinnennetzes bei Sonnenaufgang. Die „lebende Architektur“ wird nicht mehr gebaut – sie wächst. Jedes Instrument, einst heiliger Partner, wird nun zum Wilden: sein Holz seufzt vor Alter, seine Saiten summen von der Erinnerung an Berührung. Freier Flug ist die ultimative Handlung der Integrität: keine Gerüste, kein Sicherheitsnetz – nur die rohe Physik von Luft und Bewegung. „Jeder Ton ist ein Universum“ – und hier werden diese Universen nicht komponiert; sie werden entdeckt, wie Fossilien in der Kehle eines Sturms. Stille ist keine Dimension mehr – sie wird zum Himmel. Dieses Album zu hören bedeutet nicht, Klang zu konsumieren – sondern eingehaucht zu werden.

4. Titelliste

Prologue

Dies ist keine Einleitung – es ist ein angehaltener Atem. Der erste Ton kündigt nicht an; er erweckt. Eine einzelne Cello, mit der Zögerung eines Kindes, das auf Eis tritt, zittert, als wüsste es nicht, ob sprechen oder weinen. Die Stille zwischen den Phrasen ist nicht leer – sie ist der Raum, in dem sich die Luft ihre Form erinnert. Prologue ist das erste Flüstern des Manifests: „Wir schaffen nicht, um gehört zu werden – sondern um gefühlt zu werden.“ Hier ist Gefühl die einzige Sprache. Kein Rhythmus diktiert Bewegung; keine Melodie verlangt Aufmerksamkeit. Stattdessen bleibt der Klang wie Nebel auf der Haut hängen und lädt dich ein, dich vorzubeugen – nicht weil er verlangt, sondern weil er wagt, die Last der Abwesenheit wahrzunehmen. Das Instrument wird nicht gespielt; es wird herbeigezogen, wie man ein wildes Tier aus dem Unterholz lockt. Dieser Track geht dem Album nicht voraus – er atmet es in die Existenz.


Aeiriaoule

Der Namensgeber des Albums ist kein Lied – es ist eine Atmosphäre. Tausend Papierkraniche, aus alten Notenblättern gefaltet, heben gleichzeitig in einer Kathedrale aus Wind auf. Der Titel selbst ist ein Gebet, das in die Kehle des Himmels geflüstert wird. Hier wird Synthese nicht zur Nachahmung der Natur – sie wird sie: Atem wird Rohr, Wind wird Saite, Stille wird Trägerwelle für Sehnsucht. Die harmonische Struktur wird nicht konstruiert, sondern beobachtet, wie das Licht, das durch ein Blatt bricht. Jede Klangschicht ist eine Strömung in einem unsichtbaren Jetstream, der Fragmente von Erinnerung, Bedauern und stiller Freude trägt. Dies ist die ultimative Verwirklichung des Manifests: Klang als Präsenz, nicht als Aufführung. Aeiriaoule zu hören bedeutet, die Luft selbst spüren, wie sie lernt, zu fliegen.


Doubulus and Tuella

Zwei Namen, weder echt noch erfunden – nur Echos von Atem, geformt durch die Zunge. Dieser Track ist ein Gespräch zwischen zwei Geistern, die sich nie trafen, aber dieselben Lungen teilen. Eine Stimme, tief und resonant wie eine Cello, die unter Wasser gezogen wird; die andere, hoch und zersplittert wie Wind durch gebrochenes Glas. Ihr Zusammenspiel ist keine Harmonie – es ist Erkenntnis. Der Titel funktioniert als rituelle Beschwörung: „Doubulus and Tuella“ ist kein Subjekt, sondern eine Anrufung. Ihre Namen auszusprechen bedeutet, die Dualität des Fluges heraufzubeschwören: den Zug der Schwerkraft und den Auftrieb des Willens. Die Instrumente konkurrieren nicht; sie kreisen um einander, wie Planeten, gebunden durch Schwerkraft und Gnade. Dies ist die stille Rebellion des Manifests: Präzision erfordert keine Kontrolle. Hier ist Chaos heilig.


Meiouer

Ein Wort, das nach Salz und Moos schmeckt. Dies ist der Klang eines Körpers, der lernt, loszulassen – von Haltung, von Erwartung, vom Bedürfnis, verstanden zu werden. Die Melodie steigt nicht – sie lösen sich auf. Ein Klavier, dessen Hämmer durch jahrelange Nutzung abgenutzt sind, schlägt Tasten mit der Zögerung einer Hand, die ein Seil loslässt. Jeder Ton hält länger als er sollte, als ob das Instrument selbst zögert, loszulassen. Meiouer ist kein Lied – es ist eine Handlung der Hingabe. Die Beharrung des Manifests auf „Authentizität, nicht Kompromiss“ findet hier ihren reinsten Ausdruck: das Instrument wird nicht perfekt – es wird in seinem Verfall geehrt. Die Stille zwischen den Tönen ist nicht leer – sie ist der Raum, in dem die Seele ausatmet.


Faouer

Ein Flüstern, das zum Schrei wird. Ein Seufzer, der zum Sturm wird. Faouer ist der Moment, in dem Stille in Bewegung bricht – nicht durch Kraft, sondern durch Unvermeidlichkeit. Das Fagott keucht wie ein alter Blasebalg, die Becken atmen wie Lungen nach einem langen Lauf. Es gibt keinen Crescendo – nur Ausdehnung. Der Titel, phonetisch nah an „faux air“ (künstliche Luft), deutet auf einen falschen Wind hin, doch der Klang ist erschütternd echt. Dieser Track verkörpert die Kernwahrheit des Manifests: Klang als tiefgreifende Handlung des Hörens. Dies zu spielen bedeutet, nach innen zu hören. Dies zu hören bedeutet, das Gewicht deines eigenen Atems zu spüren. Die Musik sagt dir nicht, was du fühlen sollst – sie befreit das Gefühl, das bereits in deinen Rippen schläft.


Dee Esse

Zwei Buchstaben. Zwei Atemzüge. Eine Frage, ohne Stimme gestellt. Dee Esse ist der Klang eines Instruments, das vergisst, wie man still ist. Ein gebogener Kontrabass mit abgenutzten Saiten, die von den Geistern aller Töne, die er je gespielt hat, summen, zieht seinen Klang über den Boden wie ein verwundetes Tier, das nach Wärme sucht. Das „D“ ist tief, resonant – ein Herzschlag in Stein. Das „S“ ist ein Zischen von Luft, die aus einem gebrochenen Gefäß entweicht. Gemeinsam bilden sie kein Wort – nur den Echo eines solchen. Dies ist die stillste Abwehr des Manifests: ohne Bedeutung zu schaffen und doch gehört zu werden. Der Hörer decodiert es nicht – er bewohnt es.


Chop El Sync

Ein Fehler im Wind. Ein Stolpern am Himmel. Chop El Sync ist der Klang einer Maschine, die lernt zu träumen. Der Rhythmus stottert – nicht aus Fehler, sondern aus Ehrfurcht. Jeder Schlag ist ein Herzschlag, der sein eigenes Tempo vergisst. Die Synths, einst präzise, atmen nun unregelmäßig, als wären sie lebendig. Dies ist die radikale Handlung des Manifests: Präzision wird Poesie, wenn sie der Unvollkommenheit weicht. Der Titel spottet digitale Kontrolle – „Chop El Sync“ – doch die Musik ist völlig organisch. Sie ist nicht kaputt; sie ist wach. Der Hörer spürt die Spannung zwischen Ordnung und Freiheit – und in dieser Spannung findet er seinen eigenen Puls.


Sun Van Dusk

Der Himmel verblasst nicht – er entmacht sich selbst. Dieser Track ist der Moment zwischen Tag und Nacht, wenn das Licht seinen Namen vergisst. Eine einzelne Violine, gespielt mit den Fingerspitzen statt dem Bogen, zieht Töne hervor, die wie Nebel über einem See hängen. Die Harmonischen werden nicht abgestimmt – sie entwickeln sich, als ob das Instrument lernte, in einer Sprache zu singen, die es noch nie gehört hat. Sun Van Dusk geht nicht um Übergang – es geht um das Heilige im Zwischenraum. Die „lange Sicht“ des Manifests wird hier sichtbar: nicht als Ziel, sondern als Atemzug zwischen Herzschlägen. Zuzuhören bedeutet, am Rand eines Horizonts zu stehen, der nicht endet – er wird einfach zur Luft.


Aces

Keine Karten. Keine Gewinner. Nur Atemzüge. Jeder „Ass“ ist ein einzelner Einatmung – roh, ungefiltert, zitternd vor der Last seiner eigenen Existenz. Der Track ist aus geschichteten Seufzern aufgebaut: ein Kinderschrei, der auf Band festgehalten wurde, das Rascheln von Seiten in einem leeren Raum, das ferne Klingeln einer Glocke, die niemand mehr erinnert. Das sind keine Klänge des Triumphes – sie sind Klänge der Ankunft. Die Aussage des Manifests vom „unendlichen Potenzial der Klanggenerierung“ wird hier auf die kleinste Handlung verdichtet: Atmen. Ein Ass zu sein bedeutet, präsent zu sein – ohne Aufführung. Einfach zu existieren, vollständig, in einem einzigen Moment.


Sedated State

Das ist keine Betäubung – es ist tiefes Hören. Der Klang ist dick, langsam, zäh – wie Honig, der in eine Wunde gegossen wird. Ein gedämpftes Klavier, dessen Dämpfer entfernt wurden, summt mit dem Brummen eines Raumes, der vergessen hat, dass er leer ist. Die Melodie bewegt sich nicht – sie grübelt. Sedated State ist die stillste Rebellion des Manifests: ohne Dringlichkeit zu schaffen, ohne Reaktion zu fühlen. Hier ist Stille nicht Abwesenheit – sie ist die radikalste Form der Präsenz. Der Hörer muss nicht bewegt werden – er braucht nur zu sein.


Waiting For The Apocalypse

Das Ende kommt nicht mit Feuer. Es kommt mit einem Seufzer. Dieser Track ist der Klang einer Welt, die aufgehört hat, sich selbst zu reparieren. Ein einzelner Harmonium, dessen Blasebalg gerissen ist, keucht eine Melodie, die keine Auflösung kennt. Draußen trägt der Wind den Duft von Regen, der niemals fällt. Die Apokalypse ist kein Ereignis – sie ist ein Zustand der Gnade. Warten wird zur einzigen wahre Handlung. Die Aussage des Manifests über „Ehrfurcht vor Klang als Präsenz“ findet hier ihre Apotheose: die Musik verlangt kein Ende – sie verkörpert es.


Loungerie

Ein Wort, das nichts bedeutet – aber wie Zuhause klingt. Dies ist der Klang eines Körpers, der sich in seine eigene Form entspannt – keine Haltung, keine Aufführung. Eine Gitarre, unverstärkt in einem sonnigen Raum liegend, vibriert, wenn der Wind durch das offene Klangloch zieht. Die Melodie ist nicht komponiert – sie treibt, wie Staubpartikel im Lichtstrahl. Loungerie ist das stille Versprechen des Manifests: Authentizität erfordert keine Anstrengung, nur Hingabe. Zu lounge bedeutet zu hören. Still zu sein bedeutet zu schaffen.


Legatus

Ein Name, der wie ein Befehl klingt. Doch dies ist kein Anführer. Kein General. Nur der Echo einer Stimme, die einst sagte: „Komm.“ Eine einzelne Oboe, atmend und roh, spielt eine Phrase, die sich wiederholt – jedes Mal leicht verändert, als ob das Instrument lernte, wie man spricht. Legatus ist kein Titel – es ist eine Einladung. Dem Klang zu folgen, selbst wenn er nirgendwo hinführt. Die Haltung des Manifests wird hier zum Pfad: nicht ein Weg der Eroberung, sondern der Irrfahrt.


Funkinotta

Ein falsch ausgesprochenes Gebet. Ein Rhythmus, der seinen Namen vergisst. Dieser Track ist der Klang von Freude, die sich von Absicht befreit – ein Kind, das barfuß in einem Regenguss tanzt, nicht weil es schön ist, sondern weil das Wasser sich wie Freiheit anfühlt. Die Bassline ist locker, die Drums atemlos, die Synths kichern in harmonischer Verzerrung. Funkinotta ist kein Genre – es ist Geste. Die Aussage des Manifests über „die Ablehnung von Neuheit um ihrer selbst willen“ wird hier invertiert: die Freude ist die Neuheit. Der Klang sucht nicht, zu beeindrucken – er sucht zu tanzen.


Fourmaldehide

Ein chemischer Name, der zur Hymne wird. Der Klang ist kalt, metallisch – doch lebendig: ein Theremin, der in einem Labor weint, das seit Jahren niemand mehr betreten hat. Die Frequenzen sind präzise – doch der Ausdruck ist wild: wie ein Geist, der lernt, durch Drähte zu singen. Fourmaldehide ist das Paradox des Manifests, hörbar gemacht: Präzision ohne Kontrolle. Die Struktur ist mathematisch – doch die Seele ist wild. Dies zu hören bedeutet, eine Maschine dabei zuzusehen, wie sie davon träumt, lebendig zu sein.


Princess

Keine Krone. Kein Thron. Nur ein Mädchen, allein in einem Raum voller zerbrochener Instrumente, die sich selbst vorsummt. Die Melodie ist einfach – zu einfach – und das ist ihre Kraft. Eine Musikbox, zu fest aufgezogen, spielt eine Melodie, die sie nicht mehr erinnert. Die „Princess“ ist keine Adelige – sie ist der letzte Hörer. Die Aussage des Manifests über „Ehrfurcht vor Präsenz“ findet hier ihre zarteste Form: die Handlung der Musik zu machen, nicht um gehört zu werden – sondern weil nicht sie zu machen eine größere Stille wäre.


Ende

Ende. Ende. Der letzte Atem, bevor das Wort zur Stille wird. Dieser Track ist kein Ende – es ist eine Rückkehr. Ein einzelner Ton, fünf Minuten lang gehalten, verblasst langsam in das Brummen des Raumes. Keine Melodie. Kein Rhythmus. Nur Präsenz. Das Instrument wird nicht mehr gespielt – es atmet. Die letzte Wahrheit des Manifests ist hier: Klang als tiefgreifende Handlung des Hörens, der Schöpfung und der Präsenz. Zu enden bedeutet nicht zu sterben. Es bedeutet, zum Raum zwischen Herzschlägen zu werden.

5. Album als lebendiges Artefakt

Aeiriaoule ist kein Album. Es ist ein Ritual, das in der Luft vollzogen wird. Zuzuhören bedeutet, niederzuknien – nicht vor Göttern, sondern vor der rohen Physik von Atem, Holz und Saite. Jeder Track ist ein Gebet, das in die Kehle des Windes geflüstert wird. Die Verehrung des Klangs als heilige Architektur im Manifest wird greifbar: hier ist jede Resonanz ein Gebet, jede Stille eine Kathedrale. Dies ist keine Musik zum Konsum – es ist Sakrament.

Aeiriaoule zu hören bedeutet, die Tyrannei des Unmittelbaren abzulegen. In einer Welt, die Geschwindigkeit, Neuheit und Spektakel verlangt, bietet dieses Album nichts als Präsenz. Der Hörer „genießt“ es nicht – er erinnert sich, wie man still sein kann. Die Instrumente führen keine Aufführung – sie zeugen. Die Stille zwischen den Tönen ist nicht leer – sie ist der Raum, in dem dein eigener Atem Teil der Komposition wird. Das Album endet nicht. Es löst sich auf.

Zuzuhören verwandelt dich in ein Gefäß – nicht für Klang, sondern für Stille. Du lässt das Album nicht hinter dir. Das Album lässt dich: leichter, leiser, lebendiger. Es enthüllt eine Welt, in der Klang nicht besessen wird, sondern vererbt wird; in der Instrumente keine Werkzeuge sind, sondern Vorfahren; in der die Schöpfung nicht um Meisterschaft geht – sondern um Hingabe.

Dies ist keine Unterhaltung. Es ist die Rückkehr zum ersten Prinzip: dass Klang in seiner reinsten Form nicht gemacht wird. Er wird erinnert. Und indem wir uns erinnern, werden wir neu geschaffen.